Seelenfisch
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Rotkäppchens Rache

Rotkäppchen hat überlebt. Doch was ist aus dem kleinen Mädchen geworden?

Das Märchen wurde früher erzählt, um Kinder vor Fremden zu schützen. Heute hat es nicht mehr die gleiche Wirkung. Die Schauplätze sind andere. Heute braucht es keinen dunklen Wald mehr. Wenn ich immer wieder lesen muß, dass Kinder auf offener Strasse entführt werden, später mißbraucht und getötet - dann wünschte ich mir manchesmal, dass der Spieß umgedreht wird. Rotkäppchen rächt sich. Die Wölfe sind nicht mehr sicher.
Doch dieses Bild zeigt mehr. Rotkäppchen ist zu einer leeren Hülle geworden. Man sieht das Gesicht nicht, stattdessen nur Dunkelheit. Der Korb ist leer - wo ist die Fülle der kleinen Persönlichkeit hin? Damit steht dieses Rotkäppchen nicht nur für Opfer von Gewaltverbrechen, sondern für alle Kinder, die in irgendeiner Weise missbraucht wurden.
Rache ist eine menschliche Reaktion, die den Rächer entmenschlicht.
Soweit darf es nicht kommen.


Immer, wenn ich so ein Rotkäppchen sehe, oder von einem lese, bin ich hilflos. Wütend. Zornig. Und doch - hilflos.
19.10.06 15:33


Die Arroganz des Gutmensch

...Ich bin gut. Ich lebe nach den Prinzipien der ökologischen Harmonie. Ich möchte den Weltfrieden. Ich möchte für meine Kinder das Paradies auf die Erde zurückholen. Ich kaufe nur Produkte aus biologischer Herkunft. Ich fahre mit Öko-Diesel. Ich heize mit erneuerbaren Kraftstoffen. Ich nutze grünen Strom. Ich lüge nicht. Ich stehle nicht. Ich bin nicht jähzornig, aggressiv und böse. Ich bin erleuchtet. Ich habe die Weisheit mit Löffeln gefressen und kotze sie nun vor eure Füsse. Ich bin geheiligt in meiner Gelassenheit, so dass mich niemand von den ANDEREN verletzen kann. Ich bin ruhig, besonnen, friedfertig, hilfsbereit, mitfühlend, verständnisvoll - kurzum, ich bin der Mensch des neuen Zeitalters. UND NATÜRLICH BEKOMMT DAS JEDER ZU SPÜREN! ...Mir wird immer sehr unwohl, wenn ich auf Beiträge ambitionierter Gutmenschen stoße, die mit heftiger Vehemenz den Segen der Harmonie und das Übel des modernen Menschen in die Welt hinausposaunen, garniert mit vielen radikalen Ausrufezeichen. Ich bekomme ein schlechtes Gewissen, wenn ich lese, wie unvollkommen ich in den Augen dieser Gutmenschen sein muss. Meist werde ich danach sehr ärgerlich auf die Verfasser dieser Ergüsse, denn sie merken nicht, wie sie sich gerade selber verraten. Wo bitte bleiben Harmonie und Respekt bei diesen verbalen Angriffen? Würde man sie des Missionierens anklagen, würden sie sich bestätigt fühlen. Wir anderen sind mit Blindheit geschlagen, wir verteidigen unsere Bequemlichkeit - wir sind halt anti. Das fatale an diesen Weltverbesserern ist der Irrglaube, der wahre Meister zu sein. Man denkt, man öffnet der Welt die Augen über die Dinge die um uns herum geschehen, man glaubt, man muss die Leute wachrütteln, damit sie endlich verstehen, worum es geht - und greift dabnei zu den Mitteln, mit denen die Gegenseite auch schon so erfolgreich arbeitet: Manipulation, Machtmissbrauch, Einschüchterung. Mein Psychologieprofessor sagte dereinst 'Die größten Fehler geschehen mit den besten Absichten'. Das mag für jeden Fanatiker gelten. Ich denke, dass es nicht darum gehen sollte zu sagen "Du machst alles falsch. Ich hab die Lösung. Wenn wir das so machen, wie ich mir das denke, wird alles gut." Vielmehr sollten wir uns fragen "Das ist gar nicht mal so schlecht. Aber wie können wir es verbessern, damit wir alle mehr davon haben?" Warum klagt die nördliche Hemisphäre mehr über soziale Ungerechtigkeit als die südliche? Ist man in der südlichen Hemisphäre vielleicht zu sehr mit dem Überleben beschäftigt? Es gibt viele Dinge, die erstrebenswert sind. Die wichtig sind. Ich weiß auch, dass die Erde kein grenzenloser Rummelplatz ist. Daher ist das Kultivieren eines gemeinsamen Bewusstseins wichtig - auf der anderen Seite muss man sich aber auch darüber im Klaren sein, mit welchen Ressourcen wir arbeiten. Der Mensch an sich ist nicht gleich - er ist in seiner Kultur einzigartig. Nicht alle Kulturen haben den gleichen Entwicklungsstand, deswegen werden wir nichts damit erreichen, etwas übers Knie zu brechen. Stattdessen sollten wir uns über die Fortschritte freuen, die jetzt schon sichtbar sind. Um noch einmal auf die Gutmenschen zurückzukommen: Redet nicht, lebt vor. Zwingt keine Meinung auf, überzeugt. Und - habt Geduld mit den weniger Erleuchteten!
1.9.06 16:10


Wenn alles sich verdreht,

die Nacht dem Schlaf entflieht

Wenn leise Stimmen wispern

Dämonen leis dir flüstern

Dann hältst du zaudernd Wache

Und bitter scheint die Lache    

Die nun in deinem Kopf erklingt

Der Wahnsinn leise winkt

Du schaust  dich um, du schaust umher

Der Spiegel aber bleibet leer

Wo eigentlich dein Antlitz sei

Die Stelle aber bleibet frei

Ein Zittern packt und schüttelt dich

Greift tiefer und zu weit um sich

Du musst doch hier zu finden sein

Sonst warst du niemals nicht so klein

Und wieder einmal flüchtest du

Doch diesmal suchst du deine Ruh

Die sich so heimlich und so sachte

 auf leisen Sohlen aus dem Staube machte

Und Ärger flammet in dir auf

Bahnt glühend sich den Lauf

Und all die Zeit die hier verstreicht

- ein Wimpernschlag der Ewigkeit

Wo aber bleibest du, dein Wesen ?

Du willst doch nur dies eine Leben

In Würde für dich führen

Als Mensch willst du dich spüren

Vielleicht gelingt´s . der grosse Traum

Gewebt unter dem Apfelbaum

Ist nicht nur eine Phantasie

Doch Zaudernde erleben´s nie...

Nun bleibet eines nur zum Schluss

Wie kommt´s , dass ich stets zaudern muss ?

Wann werde ich mich endlich trauen

Den eignen Traum für mich zu bauen...

26.8.06 06:33


Wünsche

Was erwarte ich vom Leben ?
Was kann ich, was darf ich erwarten ?
Das Leben ist einem nichts schuldig, man hat kein Anrecht auf irgendetwas, niemals. Es gibt kein Anrecht auf Glück, nur den Wunsch danach.
 Das Leben an sich ist reine Zeit, die verstreicht. Das einzige, was man tun kann, ist, sich seinen Platz zu schaffen, seine Nische zu finden und sich dort einzurichten.
Dieser Ort jedoch gehört nur dir allein. Und wie du diesen Platz gestaltest, liegt in deiner Hand.

Wenn du einmal beginnst, dein Leben zu gestalten, kommst du sehr schnell an die Grenzen deines Seins. Du erhältst sehr schnell Einblick in dein wahres Ich, wenn du erst einmal beginnst, deine Leitlinien, deine Wünsche, deine Forderungen zu formulieren.

Was möchte ich ?
Was erwarte ich ?
Was will ich ?

Ich merke , wie ich zum ersten Mal wirklich fordere.

Der Mann an meiner Seite, der, für den ich vielleicht irgendwann wieder einmal mein Herz investiere – wie soll er sein ?
Träumen muss er können. Der Realität nahe, doch mit der Fähigkeit, sich auf Unglaubliches einzulassen. Meine Sprache verstehen, meinen Gedanken folgen können, oder zu mindestens es versuchen.
Ich wünsche mir Begehren auf beiden Seiten, Erfüllung, die Fähigkeit, in einander zu versinken. Sich ansehen und blind und stumm verstehen. Und dabei dennoch frei sein. So zu vertrauen, dass es leicht fällt, Freiheit zuzugestehen. Keine Bevormundung, dennoch Unterstützung.

Oh Himmel, lass mich fliegen !
Mit der Sicherheit, stets in ein sicheres Nest zurückkehren zu können.
Lass es jemanden geben, der sich freut, das es mich gibt.
Lass es jemanden geben, der an mich denkt, wenn ich woanders weile und der wartet, dass ich zurückkehre, nicht weil er etwas von mir will, sondern weil er meine Gegenwart schätzt.
Lass es jemanden geben, der einen Teil seines Selbst in meine Hände gibt – nicht weil er sich dadurch das Leben erleichtert, sondern weil er sich gut bei mir aufgehoben fühlt.
Lass es jemanden geben, für den ich das Licht in einer dunklen Nacht bin.

Lass es jemanden geben, der für mich all das ist, was ich für ihn bin.
Lass es jemanden geben, zu dem ich zurückkehren will.
Lass es jemanden geben, nach dem sich jede Faser meines Seins sehnt.
Lass es jemanden geben, den ich achten kann, aus ihm heraus, nicht aus Respekt vor seinen Leistungen oder seiner Fähigkeiten.

Ich möchte lieben können, ohne zu fordern.
Ich möchte geliebt werden, ohne Forderungen.
Nicht weil ich tue, was ihm gefällt, sondern weil ich ich bin.

Ich möchte nicht mehr fragen – Warum liebst du mich ? Was ist es, das dich an mich bindet ?
Ich möchte nur geliebt werden und ohne Fragen das erwidern, was man mir entgegenbringt.
Und gleichzeitig möchte ich das Gefühl haben, das bei aller Freiheit der Unwille besteht, mich zu teilen. Das der Wunsch leise mitschwingt, dass ich die einzige bin. Und das man für mich kämpft.

Ich will nicht mehr losgelassen werden. Nicht mehr freigegeben aus dem irrigen Grund heraus, dass ich dann glücklich sei. Ich möchte einen sicheren Platz im Sein, im Herzen, im Denken eines anderen haben und diesen Platz ebenso bieten.

Anmerkung: Da sage einer, dass Wünsche nicht wahr werden. Meiner liegt schlafend im Bett.

26.8.06 06:15


Die Hummel an sich

Die Hummel an sich bringt Dinge zustande die logisch nicht erklärbar sind. Sie fliegt, obwohl alle Gesetze der Physik dagegen sprechen. Nun, es ist kein eleganter Flug und es gibt viele, die es besser können. Doch sie fliegt. Warum ? Würde man eine Hummel fragen, so würde sie vielleicht antworten, sie könne nicht anders, es sei halt ihre Natur.

Eine Hummel kann zustechen, sie ist gut gerüstet für den Kampf. Doch tut sie dies nur selten. Viel lieber verlässt sie sich auf die Warnfarben der Natur, in denen sie nun einmal gekleidet ist. Zudem fliegt sie eher ihrer eigenen Wege, als sich zu verteidigen. Würde man sie fragen, warum sie dies tue, so würde sie vielleicht antworten, sie wolle es nicht anders, es wäre halt ihre Natur.

Nun, zugegeben, Hummeln sprechen nicht und es würde wohl auch niemand ernsthaft ein Gespräch mit einer Hummel suchen. Doch vielleicht wäre das was wir daraus lernen könnten, nicht das verkehrteste.

Eine Hummel ist eine Hummel, nicht mehr, nicht weniger. Sie ist. So wie sie auf die Welt gekrabbelt ist, um das Fliegen zu lernen, so wird sie eines Tages auf die Erde sinken und ein letztes Mal mit den Flügeln schlagen. Man könnte nun sagen, sie hätte nicht gerade das durchlebt, was man hier eine glanzvolle Entwicklung nennt. Doch eines sollte man dabei bedenken....Gibt es unglückliche Hummeln ?

Sie leben. Sie arbeiten. Sie füllen den Platz, der ihnen von der Natur aus zugewiesen worden ist. Und sie fliegen – entgegen aller Logik.

Man verglich mich einmal mit einer Hummel. Nach anfänglichem Sträuben und einem milden Belächeln ob des Bildes, bin ich nun jedoch froh darüber. Das Bild, das man von sich selbst malt, ist oftmals ein anderes, als das, welches die Außenwelt wahrnimmt. In diesem Fall war es der Traum, einem Pferd zu ähneln, einer Raubkatze... Daher das Schmunzeln, daher das lachende Verneinen. Doch nachdem der Vergleich, der Name geschaffen wurde, und das Leben eine Weile begleitet hat, und in diesem Moment, da alles zur Ruhe kommt, da ein Steinchen sich zum anderen fügt und das Mosaik sich glättet – da wächst die Ehre, einer Hummel zu gleichen.

Denn eines werde ich immer sein – unlogisch, friedfertig und ... bereit zu fliegen.

25.8.06 20:21


Steinzeit

Alles ist ruhig.

Ich spüre die Erdenschwere, die Melancholie sucht mich auf leisen Sohlen heim und ich öffne ihr Tür und Tor. Heiße sie willkommen wie einen Freund und richte ihr einen Platz.

Lass dich nieder. Teile dein Wissen mit mir. Denn ich brauche deine Weisheit und deine Stärke jetzt mehr als ich es zu Beginn des Tages wissen konnte.

Ich war heute im Kölner Dom. Die Zeit war reichlich vorhanden, was hätte ich nicht alles sehen, lernen, erkunden können. Doch nein, ich betrat das Mittelschiff, sah mich um und spürte. Ich betrachtete die Fenster. Doch nicht um zu entdecken, wer dort zu finden sei, nicht, um zu lesen, was man den Menschen damals hatte sagen wollen. Ich bemerkte, dass die Fenster der rechten Seite in warmen Gelb- und Rottönen gehalten waren, die auf der linken Seite jedoch das Sonnenlicht in blauen Tönen abkühlte. War es so geplant, gewollt ? Ich ging weiter und wie immer wanderte der Blick die Kreuzrippengewölbe hinauf, hoch zu dem Punkt da sich alle Verstrebungen vereinen. Es fällt mir schwer die Diagramme auszublenden, die ich einst lernte und die erklären warum alles, derart festgefügt, den Zeiten standhält. Das Wissen um die Kraftlinien erklärt die Wirkung nicht, die diese Bauweise auf das Innere ausübt. Es ist eine Aufforderung. Strebe nach Höherem, vertraue und du wirst dort gehalten werden, wo du ankommen wirst. Strecke die Hände aus und ergreife die, dir gereicht werden. Halte und gebe Halt. Und habe Mut. 

25.8.06 20:14


Mut

Es ist wieder soweit, Standortbestimmung am Abend vor dem neuen Morgen. Zu der Stunde, da die Finsternis undurchdringlich ist und jeden Laut schluckt, der an das Ohr dringen will – um zu bedeuten, dass es da mehr gibt als Einsamkeit, Dunkelheit, mehr als die Angst die sich auf leisen Sohlen von hinten anschleicht und unvermutet, unvermittelt, die Pranken in den ungeschützten Rücken schlägt.

Du spürst den Schlag, du spürst den Schmerz – nun gilt es, durchzuhalten, weiterzuleben, überleben, bis das Licht des neuen Tages anbricht und die Wunden als Illusionen enttarnt, Schreckensbilder eines überreizten Geistes. Heb den Blick, sieh dich um. Dort sind viele um dich, denen es ähnlich geht. Allein im Dunkel, streben sie nun unter der Sonne zusammen, Schutz suchend, Trost, in der Vereinigung gepeinigter Seelen, die nichts verraten, sich nicht entblößen, alle sind sie nun funktionell. Treiben auf den geordneten Schienen ihres Lebens , vergessen ist die Nacht. Und in dem betäubenden Lärmen des Tages gelingt es doch tatsächlich zu glauben, alles wäre gut.

Aber wie wäre es, diesem Lärm zu entfliehen ? Wie wäre es, innezuhalten und zu lauschen ? Ist es die Angst vor der inneren Leere, die davor zurückschrecken lässt – oder die Angst vor einer Stimme, die mehr fordert ? Die vorantreibt, antreibt , verspricht und gleichzeitig von Wahrheit kündet.. einer Wahrheit , die erschreckend sein könnte, da sie gnadenlos das Selbstbildnis zerstört.

Einmal hingehört, einmal sich den steten Einflüsterungen ergeben und nun stehe ich hier. Auf zu neuen Ufern ! So dröhnt es in mir, der Kopf ist längst nicht mehr dort, wo sich noch der Rest des irdischen Körpers befindet, die Zerrissenheit reicht weit und tief. Wurzeln werden aus dem sandigen Boden gezogen, der keinen Halt mehr gibt, wollen sich eine andere Erde suchen, unverbraucht, neu. Die ganze Angelegenheit schein recht instabil und genau dieses Gefühl ist es, dass wieder zurückzieht, drängt. Lieber auf bekannter Erde zu Boden gehen, als in fremder zu wachsen, es ist hier doch alles bekannt, berechenbar. Ein Tod in der Heimat scheint mit einem mal wünschenswerter als ein Leben in der Fremde, zudem gerade jetzt die Ebbe kommt. Das Meer entzieht sich, der Weg ist noch sichtbar aber unerreichbar.

Doch halt : Auf Ebbe folgt Flut. Was jetzt unmöglich scheint, ist nur eine kurze Zeitspanne entfernt wieder machbar. Das Boot, das sicher zu den neuen Gestaden fahren wird, wird in absehbarer Zeit zurückkehren, ans Ufer gespült, direkt vor den Füssen wird es landen, genau dort wo es eben noch war und wo die Wellen es mitgenommen haben. Warten. Nur eine kleine Weile.

Und dann.... weitermachen, folgen, suchen, niemals stehen bleiben. Für Angst wird keine Zeit sein, wenn die Hände das Ruder packen und der Geist sich an den Sternen orientiert, um nicht verloren zu gehen. Und siehe... diese Nacht wird sternenklar sein !

25.8.06 20:06


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