Seelenfisch
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Reflektionen

Steinzeit

Alles ist ruhig.

Ich spüre die Erdenschwere, die Melancholie sucht mich auf leisen Sohlen heim und ich öffne ihr Tür und Tor. Heiße sie willkommen wie einen Freund und richte ihr einen Platz.

Lass dich nieder. Teile dein Wissen mit mir. Denn ich brauche deine Weisheit und deine Stärke jetzt mehr als ich es zu Beginn des Tages wissen konnte.

Ich war heute im Kölner Dom. Die Zeit war reichlich vorhanden, was hätte ich nicht alles sehen, lernen, erkunden können. Doch nein, ich betrat das Mittelschiff, sah mich um und spürte. Ich betrachtete die Fenster. Doch nicht um zu entdecken, wer dort zu finden sei, nicht, um zu lesen, was man den Menschen damals hatte sagen wollen. Ich bemerkte, dass die Fenster der rechten Seite in warmen Gelb- und Rottönen gehalten waren, die auf der linken Seite jedoch das Sonnenlicht in blauen Tönen abkühlte. War es so geplant, gewollt ? Ich ging weiter und wie immer wanderte der Blick die Kreuzrippengewölbe hinauf, hoch zu dem Punkt da sich alle Verstrebungen vereinen. Es fällt mir schwer die Diagramme auszublenden, die ich einst lernte und die erklären warum alles, derart festgefügt, den Zeiten standhält. Das Wissen um die Kraftlinien erklärt die Wirkung nicht, die diese Bauweise auf das Innere ausübt. Es ist eine Aufforderung. Strebe nach Höherem, vertraue und du wirst dort gehalten werden, wo du ankommen wirst. Strecke die Hände aus und ergreife die, dir gereicht werden. Halte und gebe Halt. Und habe Mut. 

25.8.06 20:14


Mut

Es ist wieder soweit, Standortbestimmung am Abend vor dem neuen Morgen. Zu der Stunde, da die Finsternis undurchdringlich ist und jeden Laut schluckt, der an das Ohr dringen will – um zu bedeuten, dass es da mehr gibt als Einsamkeit, Dunkelheit, mehr als die Angst die sich auf leisen Sohlen von hinten anschleicht und unvermutet, unvermittelt, die Pranken in den ungeschützten Rücken schlägt.

Du spürst den Schlag, du spürst den Schmerz – nun gilt es, durchzuhalten, weiterzuleben, überleben, bis das Licht des neuen Tages anbricht und die Wunden als Illusionen enttarnt, Schreckensbilder eines überreizten Geistes. Heb den Blick, sieh dich um. Dort sind viele um dich, denen es ähnlich geht. Allein im Dunkel, streben sie nun unter der Sonne zusammen, Schutz suchend, Trost, in der Vereinigung gepeinigter Seelen, die nichts verraten, sich nicht entblößen, alle sind sie nun funktionell. Treiben auf den geordneten Schienen ihres Lebens , vergessen ist die Nacht. Und in dem betäubenden Lärmen des Tages gelingt es doch tatsächlich zu glauben, alles wäre gut.

Aber wie wäre es, diesem Lärm zu entfliehen ? Wie wäre es, innezuhalten und zu lauschen ? Ist es die Angst vor der inneren Leere, die davor zurückschrecken lässt – oder die Angst vor einer Stimme, die mehr fordert ? Die vorantreibt, antreibt , verspricht und gleichzeitig von Wahrheit kündet.. einer Wahrheit , die erschreckend sein könnte, da sie gnadenlos das Selbstbildnis zerstört.

Einmal hingehört, einmal sich den steten Einflüsterungen ergeben und nun stehe ich hier. Auf zu neuen Ufern ! So dröhnt es in mir, der Kopf ist längst nicht mehr dort, wo sich noch der Rest des irdischen Körpers befindet, die Zerrissenheit reicht weit und tief. Wurzeln werden aus dem sandigen Boden gezogen, der keinen Halt mehr gibt, wollen sich eine andere Erde suchen, unverbraucht, neu. Die ganze Angelegenheit schein recht instabil und genau dieses Gefühl ist es, dass wieder zurückzieht, drängt. Lieber auf bekannter Erde zu Boden gehen, als in fremder zu wachsen, es ist hier doch alles bekannt, berechenbar. Ein Tod in der Heimat scheint mit einem mal wünschenswerter als ein Leben in der Fremde, zudem gerade jetzt die Ebbe kommt. Das Meer entzieht sich, der Weg ist noch sichtbar aber unerreichbar.

Doch halt : Auf Ebbe folgt Flut. Was jetzt unmöglich scheint, ist nur eine kurze Zeitspanne entfernt wieder machbar. Das Boot, das sicher zu den neuen Gestaden fahren wird, wird in absehbarer Zeit zurückkehren, ans Ufer gespült, direkt vor den Füssen wird es landen, genau dort wo es eben noch war und wo die Wellen es mitgenommen haben. Warten. Nur eine kleine Weile.

Und dann.... weitermachen, folgen, suchen, niemals stehen bleiben. Für Angst wird keine Zeit sein, wenn die Hände das Ruder packen und der Geist sich an den Sternen orientiert, um nicht verloren zu gehen. Und siehe... diese Nacht wird sternenklar sein !

25.8.06 20:06


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